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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Urologie

Hodentumoren: Diagnose

Allgemeines
  • Benigne Hodentumoren sind selten (z.B. Teratom, Fibrom, Rhabdomyom, Adenom)
  • Hodentumor der Selbstuntersuchung zugänglich
  • Durchschnittliche Zeitspanne von ersten Symptomen bis zur Diagnose 5-10 Monate
  • Bei jedem 2. Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Metastasen
  • Jede Lageanomalie (Leistenhoden, intraabdomineller Hoden) erhöht das Tumorrisiko und sollte frühzeitig operiert bzw. korrigiert werden.
  • Hodenkarzinome (Seminome) sind auch bei Metastasierung in hohem Maße heilbar.
  • Seminome sind die strahlensensibelsten Tumoren (Metastasen-Therapie).
  • Non-Seminomatöse Keimzelltumoren (teratoide Tumoren) zeigen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber speziellen Zytostatika-Kombinationen.
  • Primärbehandlung ist in jedem Falle nach Diagnosestellung (klinisch/Ultraschall) die sofortige hohe inguinale Semikastration.

 

Merke: Bei jeder schmerzlosen Hodenschwellung dringender Verdacht auf Hodentumor - sofortige Überweisung an Urologen zur weiteren Beurteilung und ggf. operativen Freilegung.

Histologische Klassifikation der Hodentumoren
Keimzelltumoren des Hodens
Seminom
40-55%
nicht seminomatöse Keimzelltumoren
40-60%
  • Teratom
2-6%
  • Teratokarzinom
15-25%
  • Embryonales Ca
10-20%
  • Dottersacktumor
2-6%
  • Chorion-Ca
2-6%
Seminom + nicht sominomatöser TU
15-20%
Nichtgerminale Hodentumoren
Leydigzell-Tumor
Sertolizell-Tumor
Granulosazell-Tumor
Gonadoblastom
Lymphatische und hämatopoetische Tumoren
Metastatische Tumoren
(WHO-Klassifikation 1977)

Hodenkrebs (Seminom)

Definition
  • Der Hodenkrebs ist ein seltener bösartiger Tumor beim Mann, der sich aus den Keimzellen des Hodens entwickelt. – In den Hoden kommen verschiedene Zelltypen vor, die Ausgangspunkt für einen bösartigen Tumor sein können.
  • Eine Einteilung dieser Tumoren hinsichtlich der zugrunde liegenden Zellart unterscheidet Keimzelltumoren, die mit ca. 97% am häufigsten sind, sowie die wesentlich selteneren Stromatumoren (ca. 1%) und Lymphome des Hoden (ca. 2%).
  • Unter therapeutischen Gesichtspunkten werden die Keimzelltumoren in 2 große Gruppen eingeteilt: die Seminome, die ca. 35% der Fälle ausmachen, und die Nicht-Seminome, mit ca. 65%. Es können auch Mischtumoren auftreten, die dann allerdings therapeutisch wie Nicht-Seminome behandelt werden.
Ursachen
  • genetische Faktoren
  • Hodenhochstand
  • Atrophie (= Rückbildung) des Hodens
Epidemiologie
  • 1-2% aller männlichen malignen Tumoren
  • Inzidenz: 7/100.000/Jahr
  • vor allem junge Männer betroffen, Altersgipfel um das 25. Lebensjahr (nur 10% über 50 Lj.)

 

(siehe auch krebszentrum.at/Österreichische Statistik)

 

  • Wie entsteht Krebs?
    • Entwicklung bösartiger Zellen
    • Unkontrolliertes Wachstum der Tumorzellen
    • Aussaat ("Metastasierung") von Tumorzellen

(Details siehe Kapitel Chemotherapie)

Stadien Hodentumor
T
Primärtumor
T 1
Tumor auf den Hodenkörper beschränkt
T 2
äußerste Schicht des Hodens überschritten
T 3
Nebenhoden oder Hodennetz beteiligt
T 4
Infiltration des Samenstranges oder Hodensacks
N
Regionäre Lymphknoten
N 1
einzelner regionaler Lymphknoten auf der Seite des Tumors befallen
N 2
Befall von Lymphknoten auch auf der anderen Seite, beider Seiten oder multiple Lymphknotenmetastasen
N 3
fixierte regionale Lymphknoten
N 4
Befall auch weiter entfernt liegender Lymphknoten
M
Fernmetastasen
M 0
keine Fernmetastasen
M 1
Fernmetastasen nachweisbar
Metastasierung
  • sehr selten
  • meist direkte Ausbreitung
Genetik
  • Es gibt mehrere wissenschaftliche Arbeiten, die über gehäuftes Auftreten von Hodenkarzinomen bei eineiigen Zwillingen, Geschwistern und Vater-Sohn-Paaren berichten.
Symptome
  • Meist schmerzlose Hodenvergrößerung, aber Fehldiagnose "Epididymitis" bei 20%!
  • Schmerzen nur bei Blutung in den Tumor
  • Schweregefühl im Hoden (direkter Zug am Samenstrang)
  • Metastasenbeschwerden oft erstes Symptom (z.B. Lumbalgie, Sakralgie)

 

Merke: Bei 10% aller Hodentumoren Begleitgynäkomastie

Diagnostik
  • Jeder vergrößerte, harte, schmerzlose Hoden ist tumorverdächtig Ultraschall!
  • Jede plötzlich aufgetretene Hydrozele beim jugendlichen / jungen Mann ist tumorverdächtig Ultraschall!
  • Untersuchungsbefund: glatter oder höckrig derber Hoden

 

Merke: Keine Probebiopsie oder zu starke Palpation wegen Gefahr der Tumorzellaussaat. Hydrozele (symptomatisch) kann Primärtumordiagnose maskieren.

Labor

 

  • BKS, Blutbild, Transaminasen, alkalische Phosphatase

 

Tumormarker

 

  • Bestimmung v o r Semikastratio!
  • mind. 1 Tumormarker initial bei 75 % der Hodentumoren erhöht
  • ß–HCG im Serum AFP
  • AFP im Serum (wenn erhöht, Hinweis auf Kombinationstumor des Hodens)
  • PLAP im Serum: Verlaufsmarker beim Seminom
  • LDH im Serum: Unspezifischer Tumormarker

 

Sonographie

 

  • Standarduntersuchung mit höchster Sensitivität (Skrotalinhalt obligat, Gegenhoden, retroperitoneale Lymphknoten, Nieren, Leber (Metastasen)

 

Röntgen

 

  • Thorax ap/seitlich

 

CT

 

  • Abdomen + Thorax obligatorisch (Nachweis und Vermessung von retroperitonealen Lymphomen)
Differentialdiagnose

Häufigste Fehldiagnosen bei Einweisung

  • Epididymitis und Epididymo-Orchitis mit Rötung und Schwellung
  • Hydrozele (10 % aller Hodentumoren durch Begleithydrozele maskiert)
  • Spermatozele, Hämatozele
  • Skrotalhernie
Vorsorge

Nach der Fertigstellung der Ausgaben über die "Aktuelle medikamentöse Therapie maligner Erkrankungen Erwachsener in Österreich" und die "Empfehlungen der Nachsorge bei malignen Erkrankungen Erwachsener in Österreich" schien es nunmehr von besonderer Wichtigkeit, zur Komplettierung der Empfehlungen eine Stellungnahme der mit malignen Erkrankungen sich beschäftigenden wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. von innerhalb solcher Gesellschaften eingerichteten Arbeitsgruppen zur Früherkennung maligner Erkrankungen zu erstellen. Den hauptsächlichen Hintergrund dieser Absicht bildete die Tatsache, daß ein Großteil maligner Erkrankungen bei früher Diagnose und dementsprechend früh im Krankheitsverlauf einsetzendem Therapiebeginn eine deutlich bessere Prognose gegenüber spät einsetzenden Behandlungsmodalitäten für den Krankheitsablauf hat.

 

Es ist den an der Erarbeitung der nun vorliegenden Empfehlungen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. ihren Arbeitsgruppen besonders zu danken, dass sie eine neuerliche Anstrengung in diesem Sinn unternommen und an der Erstellung der nunmehrigen Empfehlung mitgearbeitet haben. Im Sinne dieser Vorgangsweise wurde bewusst zwischen Screening und der Früherkennung in folgender Weise unterschieden:

 

Als Früherkennung wurde - in direkter Anlehnung an die Empfehlungen der American Cancer Society - die Entdeckung einer Abnormalität in einer asymptomatischen oder symptomatischen Einzelperson aufgefasst, während Screening die systemische Suche nach einer Erkrankung in einer definierten Population bedeutet hätte.

 

Bei der Erstellung der Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen wurden folgende Prämissen besonders beachtet:

 

  • Es musste als gesichert gelten, dass die Untersuchung medizinisch effektiv in Hinblick auf eine Früherkennung der Krebserkrankung ist, um die Morbidität und/oder Mortalität positiv zu beeinflussen,
  • die durch die Untersuchungen erzielten Vorteile sollten gegenüber den Risken überwiegen, und
    die Untersuchungen selbst praktikabel und durchführbar sein.

 

Somit liegt nun eine für Österreich gültige allgemeine Empfehlung für die Mindesterfordernisse einer Früherkennung maligner Erkrankungen bei Einzelpersonen vor, von der ich wiederum hoffe, dass sie auf ähnliche Akzeptanz wie die vorhergehenden Publikationen dieser Arbeitsgemeinschaft stoßen und unser aller Arbeit im Sinne einer Standardisierung der Vorgangsweise für die sich uns anvertrauenden Menschen erleichtern wird.

 

(Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ.Prof. Dr. Michael Krainer, Univ.Ass.Dr. Thomas Brodowicz,
Koordinatoren des Arbeitskreises und des wiss. Komitees der ESO - Wien)

(Übersicht der Krebsarten, Genetische Testung, Tumormarker, wiss. Gesellschaften:
siehe krebszentrum.at/Vorsorge)

 

Vorsorge Hodentumor

Normalpopulation
Maßnahme
Intervall
Zeitpunkt
  Selbstuntersuchung Monatlich Ab Pubertät
Hodentumor in der Anamnese Sonographie des
kontralateral. Hodens
Jährlich
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Letztes Update:9 März, 2009 - 15:26